ABB-Aktie verliert trotzdem: ABB errichtet Campus für Innovation und Bildung im Innviertel | 11.07.22

Der schwedisch-schweizerische ABB-Konzern hat am Montag seinen neuen Campus für Innovation und Bildung für Maschinenautomation in Eggelsberg (Region Braunau) eingeweiht.

Am Hauptsitz der 2017 erworbenen B&R Industrial Automation GmbH entstehen Forschungslabore und Schulungseinrichtungen für bis zu 4.000 Menschen pro Jahr. Mit der 100-Millionen-Euro-Erweiterung sollen zudem bis zu 1.000 zusätzliche Hightech-Arbeitsplätze geschaffen werden.

„Eggelsberg ist heute einer der wichtigsten Forschungs- und Entwicklungsstandorte der Welt“, sagte ABB-Chef Björn Rosengren am Montag im Gespräch mit der APA. Auf dem neuen Campus werden Innovationen rund um künstliche Intelligenz und automatisierte Produktion von Maschinen und Fabriken entwickelt. Dazu kooperiert B&R mit vielen Hochschulen – auch um hochqualifiziertes Personal zu gewinnen.

Nach zwei herausfordernden Jahren, geprägt von den Folgen der Covid-Pandemie und dem Ukraine-Krieg, setzt der Großkonzern auf eine Strategie der sogenannten Verlagerung oder Annäherung – also der Umverteilung von Produktionskapazitäten in der Region (rückwärts). „Als globaler Konzern agieren wir sehr lokal“, betonte Rosengren. „Wir produzieren in der Regel auch dort, wo wir unsere Produkte verkaufen, also in der Nähe des Verbrauchers.“ Das hat sich in der Krise als Vorteil herausgestellt.

Der Konzern kämpft weiterhin mit steigenden Energiepreisen, Inflation, logistischen Problemen und der Verfügbarkeit von Komponenten, insbesondere von Halbleitern. „Aber der Markt hat sich zumindest an die Knappheit bestimmter Teile und etwas längere Lieferzeiten gewöhnt.“ ABB selbst geht es in der aktuellen Situation überraschend gut. „Wir nähern uns unserem Ziel, bis 2023 eine operative Marge von mindestens 15 Prozent zu erreichen“, sagte Rosengren. Genaue Zahlen für das zweite Quartal 2022 werden am 21. Juli veröffentlicht.

Rosengren sagte nicht, wie B&R mit dem Ziel umgeht. Es werden nur Zahlen für die gesamte Gruppe veröffentlicht. Allerdings habe sich B&R von einem kleinen Unternehmen zu einem „großen Player“ entwickelt – „mit großem Wachstum in der Vergangenheit. Die Anforderungen an die Divisionen im Konzern lauten: „Jede unserer Divisionen muss auf dem gleichen Niveau oder besser sein als der Wettbewerber.“

Seit Rosengren ABB übernommen hat – er ist seit März 2020 CEO – konzentriert sich der Konzern auf Elektrifizierung und Automatisierung. „Wir glauben, dass der Automatisierungsmarkt weiter wachsen wird, da er Unternehmen widerstandsfähiger, produktiver und nachhaltiger macht.“ ABB schätzt das potenzielle Marktvolumen für Maschinen- und Anlagenautomatisierung weltweit derzeit auf 20 Milliarden US-Dollar (19,7 Milliarden Euro) pro Jahr – bis 2030 soll es auf 31 Milliarden US-Dollar pro Jahr steigen.

Zu diesem Zweck will ABB sicherstellen, dass B&R genügend hochqualifizierte Fachkräfte anzieht. Allerdings fallen Rosengren nicht so viele Ideen ein wie bei der Vier-Tage-Woche. Unternehmen in Europa müssen wettbewerbsfähig sein. Dies erfordert eine höhere Produktivität als in anderen Regionen der Welt. „Sonst fließen die Investitionen dorthin. Das wäre verheerend für den Wirtschaftsstandort Österreich.“

B&R beschäftigt derzeit 2.300 Mitarbeiter am Stammsitz und ist auf Maschinen- und Anlagenautomatisierung spezialisiert. Mit dem neuen Campus vergrößert sich der Firmensitz in Eggelsberg auf über 100.000 Quadratmeter. Insgesamt beschäftigt ABB mehr als 11.000 Mitarbeiter in 53 Ländern im Geschäft, und ungefähr 105.000 Mitarbeiter arbeiten in mehr als 100 Ländern in der gesamten Gruppe.

Die ABB-Aktie verlor an der Schweizer Börse zeitweise 1,62 Prozent auf 26,07 Franken.

APA

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