Atomkraftwerke in Frankreich: Ein weiterer Rückschlag für den Strommarkt in Europa

Grund dafür ist die starke Abhängigkeit Frankreichs von der Kernenergie – etwa zwei Drittel des französischen Stroms stammen aus Kernkraftwerken. Allerdings sind die Produktionskapazitäten seit einiger Zeit stark eingeschränkt. Derzeit sind etwa die Hälfte von 56 Kernkraftwerken verfügbar. Gründe dafür sind die planmäßig notwendig gewordenen Wartungsarbeiten und die Überprüfung auf Risse in der Verrohrung des Notkühlsystems. Das sind die Mängel, die vor allem bei der neuen Generation von Kernkraftwerken aufgetreten sind.

Wie lange das Reformprogramm dauern wird, ist laut Energieversorger EDF unklar, da auch Fachkräfte fehlen. Einige Kernkraftwerke müssen für mehrere Monate vom Netz genommen werden. Aber auch Hitzewellen, die in diesem Jahr besonders in Frankreich ausbrachen, haben sich in letzter Zeit negativ auf die Stromproduktion ausgewirkt. Frankreich leidet immer noch unter einer schweren Dürre. Die Regierung geht davon aus, dass dies noch zwei Wochen andauern und sich sogar noch verschlimmern wird.

“Das europäische Energieversorgungsproblem”

Normalerweise exportiert Frankreich zu dieser Jahreszeit Kernenergie. Aber in diesem Jahr muss EDF in Spanien, der Schweiz, Großbritannien und Deutschland einkaufen. Diese Situation kann sich im Winter verschlimmern. In Frankreich wird hauptsächlich mit Strom geheizt.

“Das Hauptproblem für die europäische Energieversorgung ist natürlich Frankreich”, sagte Bruno Berger, Energieexperte vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE), kürzlich in einem Interview mit der Zeit. Denn die Engpässe in Frankreich werden auch in der Europäischen Union zu einer Verknappung der Strommärkte und damit zu höheren Preisen führen.

Wärmeres Kühlwasser kann in Flüsse eingeleitet werden

Aufgrund steigender Temperaturen mussten einige Kraftwerke in letzter Zeit die Stromerzeugung reduzieren oder ganz abschalten. Wegen der Gefahr von Stromausfällen wurde am Samstag ein Dekret erlassen, dass fünf französische Kernkraftwerke bis Mitte September Kühlwasser mit überdurchschnittlichen Temperaturen in die Flüsse zurückführen werden. Begleitet wird diese Aktion von einer „strikten Umweltüberwachung“.

APA / Agence France-Presse / Georges Gobet

Fünf Kernkraftwerke durften am Samstag Kühlwasser wärmer als normal in Flüsse einleiten

Kraftwerke pumpen Wasser zur Kühlung und pumpen es später wieder ab. Je nach Anlage sollte dieses zurückgeführte Wasser eine bestimmte Temperatur nicht überschreiten, um Flora und Fauna des Flusses nicht zu gefährden. Die ersten Ausnahmeregelungen galten bereits Mitte Juli für drei Kernkraftwerke für einen Zeitraum von drei Wochen. Diese Ausnahme wurde am Samstag verlängert.

Verstaatlichung der Energieressource

Die Stromversorgung EDF wurde berechnet. Zusätzliche Kosten entstehen dadurch, dass Frankreich die Stromrechnung für Verbraucher begrenzt. Die Stromerzeugungsprognose für 2023 wurde von 340 bis 370 TWh (Terawattstunde) auf 300 bis 330 TWh gesenkt. Auch die Prognose für dieses Jahr wurde mehrfach nach unten korrigiert. Die französische Regierung will den hoch verschuldeten Energierohstoff nun vollständig verstaatlichen und zahlt dafür fast zehn Milliarden Euro.

„Die Verstaatlichung ist letztlich die einzige Möglichkeit, das Unternehmen zu retten und die Energieversorgung zu sichern“, sagte Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka. “Das ist ein bitterer, aber notwendiger Schritt.” Andere Beobachter sehen in der Verstaatlichungsentscheidung die Erkenntnis, dass die Verknappung zu einer existenziellen Krise für Unternehmen und das Land werden könnte.

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