Bayreuther Festspiele: Die Saga der Familie Wagner geht in die zweite Runde und es ist etwas kühl

Man kann das zeitgenössische Regietheater in zwei Kategorien einteilen, die fast einen Widerspruch darstellen: Da sind die Mystiker, die mystische assoziative Bildwelten erschaffen. Und am anderen Ende der Skala stehen interpretierende Onkel und Tanten, die nicht nur zeigen wollen, worum es „eigentlich“ in dem Werk geht, und deren aussagekräftige Lektüre manchmal so überraschend ist, dass sie fast zu intellektuellen Ärgernissen ausartet.

Valentin Schwartz, Intendant des Bayreuther „Rings“, gehört keiner Partei an, er malt eine sehr konkrete Geschichte, die allerdings mit dem Charakter des Vorbilds bricht: Die Text-Bild-Schere scheint gut zu gehen, aber sie hat funktioniert sauber und angenehm zu unterscheiden . Wer die Handlung von „Ring des Nibelungen“ gut kennt, dem wird es zunehmend schwer, das Gesehene mit dem Gezeigten in Einklang zu bringen.

Freya ist tot und Sieglind und Sigmund können Siegfried überhaupt nicht haben, weil sie bereits schwanger ist. Weil Schwartz alle übernatürlichen Elemente aus der Saga entfernt hat, verschwindet Brunhilda nicht hinter einem Feuerkreis, sondern geht in eine Art Exil. Statt Feuerzauber gibt es ein Candle-Light-Dinner, doch Wotan und Freia können ihre Beziehung nicht mehr retten. Der Mann, dessen Frau zuvor in der Tat bewundernswert argumentiert hatte, nimmt den Schlapphut und wird zum Wanderer, und wir werden ihn wiedersehen wie in “Siegfried”.

Ob das technisch endgültig ist, ob es sich nicht nur um eine gewöhnliche, oft gesehene Geschichte über den Abstieg der Mächtigen handelt, wird sich – wie es sich gehört – erst zeigen, wenn am Freitagabend nach der „Götterdämmerung“ der Vorhang fällt. Das soll nicht heißen, dass Sie in Valkyrie nichts Aufregendes, Ergreifendes und Neues sehen werden: das Inferno von Sieglinds Ehe, Valkyrie-Mädchen, egozentrische Mädchen, die nicht mit Sieglind sympathisieren, Watans zutiefst schmerzhafte Einsamkeit und all das traurige Ende von a Scheinehe mit Frieka.

Der erste Akt gestaltete sich in doppelter Hinsicht unglücklich: Sigmund und Sieglind verlieben sich nicht ineinander, sondern in ein Paar, das gute Kindheitserinnerungen austauscht. So sieht es aus: Es bleibt niedrig. Dirigent Cornelius Meister, dessen leichter und transparenter Umgang mit „Rheingold“ so reizvoll ist, verdankt „Walküre“ viel Dramatik, die im Mittelstand völlig lahmgelegt wird. Lyrisch, hell, wild getragen, Sigmund strahlt keine Erotik aus. Großartig: George Seibenfeld, der den Hunding wirklich singt, dazu die großformatige Sieglinde von Gesangswunder Lise Davidsen.

Erin Theorin ist eine ziemlich scharfsinnige und fleißige Brünnhilde, und Christa Mayer verleiht Fricka eher ein Rheingold-Image. Der unglückliche Rabe ist Thomas Konieczny: Im zweiten Akt bricht Wotan einen Ledersessel unter seinem Gesäß weg, singt tapfer weiter und gibt eine respektable Vorstellung ab. im3. Act Michael Kumpfer-Radetzky springt auf und feiert nicht nur wegen dieser Rettung, sondern auch wegen seines sanften, liedhaften Abschieds.

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