Dürre in Italien: Wasserkraftwerke sparen wenig Strom

Stand: 25.06.2022 04:32 Uhr

In Italien hat eine anhaltende Dürre die Stromerzeugung aus Wasserkraftwerken stark reduziert – und die Dürre bedroht auch die Landwirtschaft. Die Lombardei hat den Notstand ausgerufen und in vielen Gemeinden wird das Wasser rationiert.

Im Zeitraum Januar bis Mai dieses Jahres ist die Stromerzeugung aus Wasserkraft in Italien im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent zurückgegangen, berichtete der Wasserversorgungsverband Utilitalia von Agence France-Presse. Die Coldiretti Farmers’ Association sagte, 30 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion im ganzen Land seien gefährdet. Der Ertrag von Gerste und Mais ist beeinträchtigt, während der Anbau von Tomaten und Früchten wie Melonen gefährdet ist.

Wasserkraftwerke befinden sich hauptsächlich in den Bergen im Norden des Landes. Sie liefern in der Regel etwa ein Fünftel des in Italien benötigten Stroms. Ein Utilitalia-Sprecher sagte jedoch, die Produktion sei seit letztem Sommer zurückgegangen. Dies ist derzeit ein besonderes Problem, da auch Italien versucht, Gas- und Öllieferungen aus Russland abzuschneiden.

Dürre im Bo-Delta

In Piacenza südöstlich von Mailand wurde diese Woche ein Kleinwasserkraftwerk komplett geschlossen, weil der Fluss Po zu wenig Wasser führt, teilte der Energiekonzern Enel mit. Auch die Landwirtschaft nutzt das Flusswasser in großem Umfang. Besonders schlimm ist die Situation für Reisbauern im Po-Delta, wo salziges Meerwasser kilometerweit in den Fluss eindringt und eine Aussaat unmöglich macht.

Die Dürre im Podelta ist die schlimmste seit 70 Jahren. An manchen Orten hat es seit vier Monaten nicht geregnet. Gleichzeitig war Schmelzwasser aus den Bergen knapp und der Winter sehr mild. Seen wie der Lago Maggiore sind nicht voll genug.

Wasser wird in vielen Gesellschaften rationiert

In vielen Gemeinden ist das Wasser rationiert, die Menschen dürfen es nur zum Trinken oder für andere wichtige Zwecke verwenden, und manchmal wird das Wasser über Nacht abgestellt. Es sind auch Träger unterwegs. Die Wasserstände des Lago Maggiore und des Gardasees sind zu dieser Jahreszeit viel niedriger als normal, und auch der Tiber, der durch Rom fließt, ist niedrig.

Um den Gardasee, den größten See Italiens, ist ein Streit entbrannt. Er soll Wasser freisetzen, aber die Verantwortlichen vor Ort fürchten um seine Reserven, da er sich auch in einen verseuchten See verwandeln könnte.

Ausnahmezustand in der Lombardei

Die Lombardei in Norditalien hat gestern wegen der Dürre den Notstand ausgerufen. Die Bezirksregierung hat alle Verbraucher aufgefordert, weniger Wasser zu verbrauchen. Die Kommunen wurden angewiesen, den Wasserverbrauch für nicht wesentliche Aktivitäten wie die Reinigung von Straßen, Bewässerungsgärten und Sportplätzen zu begrenzen. In der Region Piemont im Nordwesten Italiens wird laut Nachrichtenagentur ANSA bereits in mehr als 200 Gemeinden Wasser rationiert.

Der italienische Zivilschutz befürchtet, dass die Dürre wochenlang anhalten wird. Die Wasserknappheit breitet sich von den nördlichen Regionen nach Süden aus. Der Ruf nach einem nationalen Notstand wird immer lauter.

Mit Informationen von Elisabeth Pongratz, ARD-Studio in Rom

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