Hildegard Wortmann, Mitglied des Audi-Vorstands: „Fahren ist nicht mehr entscheidend“

Audi verlagert derzeit die Produktion komplett. Von allen Produktionsstätten sind nur zwei in der Lage, Elektroautos herzustellen. 9 von 10 Neuwagen sind noch Verbrenner. Welche Aufgabe hat das Mammut vor dir?

Um die gewaltige Aufgabe in Zahlen zu fassen: Bis 2026 investieren wir allein mit der Audi AG 40 Milliarden Euro in diese Transformation. Sie geht nur in Richtung Elektromobilität. Die Akzeptanz wächst täglich, dass dies der effektivste Weg ist, die Klimakrise zu bekämpfen.

Sind die vielen Krisen eine Abschreckung oder ein zusätzliches Motiv für Veränderungen?

Unser Engagement für die E-Mobilität wird sich nicht ändern. Aber gleichzeitig verändert sich überall unglaublich viel und wir werden nie wieder eine Welt sehen, wie sie vor diesen Krisen war. Wir müssen uns an die Rahmenbedingungen anpassen. Aber dieser Wandel ist eine enorme Kraft für die Branche.

Wann sehen wir den großen Wandel hin zur E-Mobilität auf der Straße?

Dies wird von Region zu Region unterschiedlich sein. Aber das passiert in Europa viel schneller, als wir uns das hätten vorstellen können. Wir gehen davon aus, dass wir 2025 mit 20 Prozent und 2030 mit 50 bis 60 Prozent E-Fahrzeugen unterwegs sein werden. Es geht also gewaltig voran. Dazu gehört auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Wer soll es bauen?

alle. alle zusammen. Der Aufwand ist so groß, dass wir ihn nur schaffen können, wenn Politik, Gesellschaft und Wirtschaft den Willen haben, zur Dekarbonisierung beizutragen. Stichwort Schifffahrt: Da ist immer diese Reichweitenangst. Das wird in Zukunft kein Problem mehr sein. Wir haben eine Reichweite von 480 bis 520 Kilometern, und das reicht. Entscheidend wird künftig die Downloadgeschwindigkeit sein.

Was geht mit den Brennern verloren? Immerhin sind das hundert Jahre Motorenentwicklung.

Nachhaltigkeit ist für mich überhaupt kein Zugeständnis. Jetzt ist es an der Zeit, die Ikonen der Zukunft zu erschaffen.

Kritiker sagen, die Autos stehen Schlange. Dank Elektromotor fahren sie alle ungefähr gleich.

Es gibt immer noch große Unterschiede, also probiere es aus. Aber ich höre, was du sagst. Auch hier muss man sehen, wie sich Kunden verändern. Das Fahren ist nicht mehr das entscheidende Kriterium bei der Auswahl eines Fahrzeugs. Neu hinzugekommen: Digitalisierung und Individualisierung von Fahrzeugen. Diese Kriterien werden beim Autokauf viel entscheidender sein als heute bei Beschleunigung oder Fahrdynamik.

Wie ist die CO2-Bilanz in einem E-Auto wirklich?

Es ist erwiesen, dass a

Ein Elektroauto ist über seinen Lebenszyklus besser dran als ein Verbrennerauto. Aber die Essenz liegt in der Nutzung von Ökostrom. So sollte es sein.

So ist Nachhaltigkeit auf allen Ebenen.

Die Kunden erwarten von uns eine klare Haltung zum Thema Nachhaltigkeit. Es muss geliefert werden. In der jüngeren Generation würden 85 % ihre bevorzugte Marke über Nacht wechseln, wenn sie ein nachhaltigeres Angebot hätten.

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