Inflation: IG Metall fordert acht Prozent mehr Lohn – Sparen

Die IG Metall fordert in diesem Jahr eine der höchsten Gehaltserhöhungen der letzten Jahrzehnte. Am Montag forderte die Gewerkschaft zusätzliche acht Prozent der Mittel für vier Millionen Beschäftigte in Schlüsselbranchen der Industrie. „Aufgabe der Gewerkschaften ist es, dafür zu sorgen, dass die Arbeitnehmer wegen starker Preiserhöhungen nicht wegziehen“, sagt Jörg Hoffmann, Vorsitzender der IG Metall. Arbeitgeber weisen die Nachfrage als zu hoch zurück.

Die Verbraucherpreise sind derzeit um etwa acht Prozent gestiegen. Verbandspräsident Hoffmann stellt fest, dass die Bürger in Deutschland in diesem und im nächsten Jahr eine Inflation von mehr als 10 % erleben werden. Einigen Schätzungen zufolge liegt der Prozentsatz bei bis zu 13 %. Die IG Metall fordert eine deutliche Lohnerhöhung. “Dieses Geld kann auch finanziert werden, weil die Unternehmen gute Renditen erzielen”, sagt Hoffman. “Wir überfordern die Arbeitgeber nicht.”

„Die Nachfrage der IG Metall kommt nicht überraschend“, sagt Marcel Fratzcher, Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). SZ. Stimmt man wie bisher 60 Prozent der Forderung zu, beträgt die Lohnerhöhung weniger als fünf Prozent. „Bei der aktuellen Inflation bedeutet das immer noch deutlich negative Reallöhne“, sagt Fratzcher. „Eine solche Lohnerhöhung sollte für viele Unternehmen der Metallbranche ohne existenzielle Gefährdung machbar sein, obwohl es klug wäre, den hart getroffenen Firmen Flexibilität einzuräumen.“ Auch die Nachfrage hält der Ökonom nicht für einen Inflationstreiber: „Es gibt keine Hinweise auf eine Lohn-Preis-Spirale, zumal mehr als die Hälfte der Beschäftigten nicht tariflich erfasst sind.“

In der anstehenden Tarifrunde werden Löhne in Industriezweigen wie Automobil, Maschinenbau und Elektronik verhandelt. Deutschlands größte Gewerkschaft hat in diesem Jahr in den vergangenen 30 Jahren nur zweimal einen Antrag gestellt, 1992 und 2008. Doch diesmal soll die Lohnerhöhung zwei Jahre umfassen. IG-Metall-Chef Hoffmann widerspricht dem Vorwurf, er treibe die Inflation in die Höhe. Wenn die Gewerkschaft wirklich die volle Inflation ausgleichen wollte, hätte sie eine hohe, zweistellige Forderung gestellt.

„Aufgabe der Gewerkschaften ist es, dafür zu sorgen, dass die Arbeitnehmer wegen starker Preiserhöhungen nicht wegziehen“, sagt Jörg Hoffmann, Vorsitzender der IG Metall.

(Foto: Florian Gaertner / photothek.net / imago / photothek)

Die Arbeitgeber haben die Haltung der IG Metall stark kritisiert. „Diese Forderung ist nur zu erklären, wenn die IG Metall gegenüber der Realität der Branche blind wird“, erklärte Stefan Wolff, Präsident von Gesamtmetall. „Es ist unverantwortlich, sich von 26.000 Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie auf vielleicht 100 Unternehmen zu lenken, denen es trotz allem noch gut geht.“ Laut Verband sieht jedes fünfte Unternehmen seine Existenz durch steigende Kosten bedroht, die nicht vollständig über die Preise weitergegeben werden können.

Der Verband der bayerischen Metall- und Elektrizitätsindustrie (VBM) hat bereits Unternehmen und Arbeitsplätze durch Lohnforderungen bedroht gesehen. „Krieg, Energiekrise, Lieferketten- und Transformationsthemen sowie die Corona-Pandemie haben gravierende Auswirkungen auf unsere Unternehmen“, sagte Bertram Brossardt, Geschäftsführer der Vbw. “Die Höhe der Forderung scheint unwirklich zu sein.”

Die bekannte Lohnformel für EZB-Zielinflation, Produktivitätssteigerung und Umverteilung gilt für die IG Metall nicht mehr. Denn so bekommt man bei zwölf Monaten Laufzeit keine acht Prozent.

Mit dieser Lohnformel argumentiert die IG Metall aber ordentlich. Sie will nur zwei Jahre eines zwölfmonatigen Tarifvertrags abdecken, der voraussichtlich erst Ende des Jahres verhandelt wird: nicht nur 2023, sondern auch dieses Jahr, wobei die Beschäftigten bisher nur Einzelzahlungen erhalten. Beschäftigte haben seit 2018 keine klassischen dauerhaften Lohnerhöhungen mehr erhalten. Auf der anderen Seite rechnen die Arbeitgeber damit, dass sich die Einmalzahlungen mit der Lohnerhöhung 2018 auf neun Prozent summiert haben. Die Verhandlungen beginnen im September.

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