Kärnten: Bioenergie erstmals vor Öl als wichtigster Energieträger

Zwei Drittel der Energie ist dank Biomasse und Wasserkraft autark

Wien Kärnten hat seinen Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch zwischen 2005 und 2020 von 39,6 % auf einen Rekordwert von 58,8 % gesteigert, so der Österreichische Biomasseverband im Lichte der Recherchen zum Österreichischen Bioenergieatlas. Damit ist Kärnten Ökostrom-Champion in Österreich, Salzburg (56,2 %) und das Burgenland (52,5 %) fallen auf die Plätze zwei und drei. Dies ist vor allem der Bioenergie zu verdanken, die mehr als ein Drittel des gesamten Energiebedarfs Kärntens deckt. Der Pro-Kopf-Einsatz erneuerbarer Energien ist in Kärnten doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Mit der ausschließlichen Erzeugung erneuerbarer Energien aus der Region ist Kärnten auch in Sachen Energieautarkie mit einem Selbstversorgungsgrad von 67 % unangefochtener Spitzenreiter und lässt Salzburg (54 %) auf Platz zwei weit hinter sich.

Hackschnitzel, Lauge und Brennholz gehören zu den wichtigsten Bioenergieträgern

Bioenergie war 2020 der wichtigste Energieträger in Kärnten vor Erdöl und belegte mit 55 % den deutlichen ersten Platz unter den erneuerbaren Energien. Das liegt auch am Ressourcenreichtum des Bundeslandes, von dem 61 % Wald sind. Holzabfälle, wie Hackschnitzel oder Sägenebenprodukte, machen mit 47 % den größten Anteil an der Kärntner Biomasse aus – ein Verdienst der Kärntner Forst- und Holzwirtschaft. Alkoholabfälle aus der Papierindustrie sind der zweitwichtigste Biobrennstoff (20 %), gefolgt von Baumstämmen mit 18 %. Die je nach Wasserversorgung schwankende Wasserkraft war 2020 mit 40 % Kärntens zweitwichtigste erneuerbare Energiequelle. Nur etwa 5 % entfallen auf langsam steigende Wärmepumpen, Solar- und Windkraft.

Kärntner Raumwärme auf 62 % Holzenergie

Bei der Nutzung von Holzbrennstoffen wie Scheitholz, Pellets oder Hackschnitzel zur Raumheizung ist Kärnten mit großem Abstand Österreichs Spitzenreiter: Der Anteil an Biokraftstoffen inklusive Fernwärme liegt bei 62 %. Seit 2005/06 ist der Heizölverbrauch in Kärnten um 44 % gesunken; Die Zahl der ölbeheizten Haushalte sank um 38.600 auf rund 55.300.Rund 73.000 Haushalte in Kärnten setzen auf die Holzheizung als primäres Heizsystem. Der Aufwärtstrend hält an: 2021 wurden in Kärnten rund 2.700 moderne Holzheizungen installiert, darunter 2.000 Pelletkessel. Damit sind bundesweit 16 % aller Pelletskessel in Kärnten installiert, obwohl das Land nur 6 % der Bevölkerung repräsentiert. 80.000 Haushalte sind mittlerweile an das Fernwärmenetz angeschlossen, davon beziehen 27.500 Haushalte Fernwärme aus einem der drei Holzkraftwerke in Klagenfurt.

Holzkraftwerke in Klagenfurt steigern kritische Flächenerwärmung auf 92 %

Fernwärme deckt insgesamt 16,5 % des Raumwärmeverbrauchs in Kärnten ab. Die kritische Fernwärmeerzeugung in Kärnten ist seit 2016 um 55 % gestiegen, wobei die Inbetriebnahme von Holzkraftwerken in Klagenfurt-Ost und Nord maßgeblich dazu beigetragen hat. Die erneuerbare Flächenwärme in Kärnten stieg zwischen 2016 und 2020 von 67 % auf 92 % (91,8 % Biomasse, 0,1 % Solarwärme). Insgesamt rund 240 Biomasseheizwerke und 35 solarthermische Anlagen liefern 2 Mrd. kWh Fernwärme, mit der 133.000 Einfamilienhäuser beheizt werden können. Beim Anteil erneuerbarer Wärme inkl. Prozesswärme weist Kärnten im Jahr 2020 mit 60 % den bundesweit höchsten Wert auf (österreichischer Durchschnitt: 35 %). Das Ziel des Kärntner Energiemasterplans, bis 2025 100 % CO2-neutrale Wärme bereitzustellen, ist jedoch noch in weiter Ferne.

100 % erneuerbarer Strom Dank Wasserkraft

Kärntens 540 Wasserkraftwerke lieferten im Jahr 2020 87 % der Stromerzeugung des Landes. Vor allem die Wasserkraft trägt dazu bei, dass Kärnten seit 2013 zu 100 % Ökostrom nutzt. 21 % der Stromerzeugung wurden 2020 exportiert. Biomasse macht etwa 10 % der Stromerzeugung aus . Allerdings ist die Stromerzeugung aus Holzkraftwerken aufgrund des Endes der Ökostromförderung seit 2018 um 10 % zurückgegangen. Langfristig erwägt das Land die Möglichkeit, die Produktion von gut planbarem Strom aus Biogenen von 700 auf 1500 Millionen Kilowattstunden auszubauen. Kärnten hat beim Ausbau von Photovoltaik und Windenergie noch Luft nach oben. Ersterer trägt 2,3 % zur Stromerzeugung in Kärnten bei, Windkraft mit zwei Windrädern nur 0,01 %. Bei der Installation von Solaranlagen schließt der Landeserlass die Nutzung auf Freiflächen weitgehend aus. Das Ziel des Energie-Masterplans, bis 2025 mit 50 Windrädern 250 GWh Strom zu erzeugen, wird durch die Organisation des europaweit einzigartigen Standorts verhindert, wonach die Windräder aus 25 Kilometern Entfernung nicht sichtbar sein dürfen. Derzeit werden im Lavanttal mindestens acht neue Windkraftanlagen errichtet, sodass die Zahl der Kärntner Windkraftanlagen bis 2022 auf zehn steigen wird.

Der Dieselverbrauch ist die Hauptursache für Treibhausgasemissionen

Dass die Treibhausgasemissionen in Kärnten zwischen 1990 und 2019 um 3,5 % gestiegen sind, liegt nicht nur an der Industrie (Zement, Chemie, Papier), sondern vor allem auch am Straßenverkehr. Letzterer ist für 38 % der Emissionen verantwortlich und seit 1990 um 73 % gewachsen. Mit 60 % haben Kärntner Haushalte den höchsten Anteil an privaten Diesel-Pkw in Deutschland. Dagegen beträgt der Anteil reiner Elektroautos nur 0,2 % des Pkw-Bestands, der Anteil benzinelektrischer Hybridautos 0,6 %. Von 2015 bis 2019 stieg der Dieselabsatz kontinuierlich an, erst 2020 führten Corona-Maßnahmen zu einem Rückgang von 12 %. Mit 2.943 kWh ist der Dieselverbrauch pro Einwohner Kärntens nach dem Burgenland der zweithöchste in der Republik. Mit einem aktuellen (stagnierenden) Anteil von 15,8 % ist das Ziel einer 100 % erneuerbaren Mobilität bis 2035, wie es im Masterplan Energie Kärnten vorgesehen ist, noch ein weiter Weg.

Fragen und Kontakt:

Abfragehinweis:
Professor Peter Liptay,
Tel: 01/533 07 97-32, Auto: 0664/308 2603
E-Mail: liptay@biomasseverband.at
www.biomasseverband.at

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