Nicholas Mahler malt “Thomas Bernhard Salzburg”

„Am liebsten würde ich eine Dreiviertelstunde in Salzburg verbringen, aber das reicht mir.“ Dieses Zitat aus einem Interview mit Thomas Bernhard markiert den Beginn eines neuen Prints, der sich bestens eignet, um Sie auf die kommenden Festivalwochen einzustimmen. Nicholas Mahler, in vielen Büchern als Spezialist des berühmten Autors bezeichnet, malte „Thomas Bernhard Salzburg“ oder besser: begleitet den Autor auf einem Spaziergang durch die Stadt.

Diese Diskussion beflügele das Salzburg Museum, das nach ungewöhnlichen Ansätzen für die Neukonzeption der im Februar eröffneten Dauerausstellung „Einzigartiges Salzburg – Geschichte(n) von Stadt und Land“ suchte, schreibt sein Direktor Martin Hochleitner in einem Nachwort. Neun der 33 Zeichnungen, die nach einem Studienaufenthalt vor einem Jahr entstanden und im Buch gezeigt werden, sind im Museum ausgestellt. Dort wird auch das Buch am 21. Juli präsentiert.

Der Spaziergang beginnt am Klausintor, führt zum Mönchsberg, durch das Festspielviertel, vorbei am Landestheater und Mozarteum zum Café Bazar und dann zur Scherzhauserfeldsiedlung, wo seine kaufmännische Ausbildung „Tresor“ war, auf offenem Feld und endet bei Thomas Bernhard Feerkänter in Uhlsdorf. Nicholas Mahler begleitet die schon aus früheren Büchern (dem neusten: „Thomas Bernard. Die falsche Biografie“) gut präsentierte großnasige Figur seines Autors auf einem Spaziergang und fügt den einzelnen Stationen etliche Zitate hinzu, die der Autor verwendet, um die Hassliebe zu betonen, die oft mit der Stadt gerühmt wird und die ihn am meisten beeindruckt hat. Zum Beispiel: „Salzburg ist eine trügerische Fassade, aus der die Welt ständig ihre Heuchelei zieht, und dahinter muss der Schöpfer (oder) verwelken, verwesen und sterben.“

Manfred Mittermayr, Thomas-Bernhard-Experte und Leiter des Salzburger Literaturarchivs, vertieft sich in einem Nachwort, das die Stadtgeschichte mit der Biographie des Autors verbindet und auch tiefe Eindrücke der Bombardierung Salzburgs 1944 mit Tod und Verwüstung und der unmittelbaren Post aufzeigt -Kriegszeit, als Salzburg von Flüchtlingen überschwemmt wurde, verließ den jungen Mann .

Mahler Bernhard ist ein unsterblicher Wanderer, in der Gstättengasse brennt noch die Hölle vergangener Bombenangriffe, aber auch die 1996 nach ihm benannte Thomas-Bernhard-Straße in Lehen am Rande der Scherzhauserfeldsiedlung durchstreift er – „trotz nur der erste Versuch (in einem anderen Stadtteil), eine Straße zu benennen, nachdem der Autor am Widerstand der Anwohner gescheitert ist”, stellt Mittermeier fest.

Ab nächster Woche bestimmt das Festival wieder das Geschehen in der Stadt. Es gibt auch einige bösartige Dinge, die Bernard in dem Buch über sie gesagt hat. Zum Beispiel: „Im Sommer wird in dieser Stadt unter dem Namen Salzburger Festspiele das Weltoffene vorgetäuscht und das Mittel der sogenannten Weltkunst ist nur eine Möglichkeit, diesen Nicht-Geist als Verirrung zu tarnen, wie alles in Sommer hier einfach vertuschen, so tun, musizieren und wegspielen … Aber 33 Jahre nach dem Tod von Thomas Bernhard herrscht längst die Situation: Lieber mit seinem Stipendium gestärkt als ignoriert.

(Gottesdienst „Thomas Bernhards Salzburg“, illustriert von Nicholas Mahler, mit Schlusswort von Manfred Mittermayr, Residenz Verlag, 96 Seiten, 15,- €, Buchpräsentation am 21. Juli, 18.30 Uhr, im Salzburg Museum, Neue Residenz, Mozartplatz 1)

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