Rheinmetall-Aktiencrash: Umsatzprognose trotz Q2-Verbesserung niedriger | 05.08.22

Der Rüstungskonzern und Automobilzulieferer Rheinmetall profitiert angesichts des Ukraine-Krieges weiterhin von der hohen Nachfrage nach Munition und Wehrtechnik.

Die Zusammenarbeit mit der Autoindustrie lief in letzter Zeit gut, aber die Aussichten hier schwinden jetzt. Aus diesem Grund senkte auch Firmenchef Armin Papperger Ende Juli die Umsatzprognose. Zudem rechnet der Vorstand laut einer Präsentation am Freitag damit, die Rüstungsaufträge für das nächste Jahr zu verschieben, weshalb er die Umsatzprognose für 2023 nach unten korrigierte. Das kam bei den Börseninvestoren nicht gut an.

Für das Rüstungsgeschäft rechnete Rheinmetall nach dem ersten Quartal noch mit Aufträgen in Höhe von 13 bis 15 Milliarden Euro im laufenden Jahr. Jetzt sollen es 10 bis 12 Milliarden sein, was immer noch ein gewaltiger Sprung von 4,8 Milliarden im vergangenen Jahr wäre.

Einer der Gründe für diese Kürzung ist, dass nun mehr Klarheit über die Verwendung des Sondervermögens besteht Bewaffnete Kräfte Sie habe gegeben, hieß es aus der Gruppe. Zudem sei kürzlich ein Großauftrag aus der Slowakei zum Kauf von leichten Infanteriepanzern an den Konkurrenten BAE Systems gegangen, erklärte Analystin Olivia Charlie von der Investmentbank Goldman Sachs.

Grundsätzlich bleibt die Verwaltung aber zuversichtlich. „In vielen der von uns belieferten Länder gewinnt die Modernisierung oder Erweiterung der Ausrüstung der Bundeswehr durch den Krieg in der Ukraine weiter an Bedeutung“, erklärte das Unternehmen im Quartalsbericht. Aus diesem Grund und aufgrund des historischen Auftragsbestands im Rüstungsbereich soll das Geschäft in den kommenden Jahren weiter stark wachsen. Allerdings wird das Jahr 2023 zunächst nur mit einem Umsatz von rund 5,5 Milliarden Euro in der Rüstungsabteilung gerechnet, nachdem zuvor mindestens 5,5 bis 6 Milliarden Euro angekündigt worden waren. Analyst Sven Weier von der Schweizer Großbank UBS erklärte, dass der Schritt eine logische Folge der Nachfrageverzögerung sei und die Markterwartungen leicht senken dürfte.

Allerdings sind die Automärkte nach wie vor von einer höheren Volatilität geprägt. So rechnet Rheinmetall im Jahresverlauf weiterhin mit einer Erholung der internationalen Automobilproduktion, die aber deutlich langsamer ausfallen dürfte als zu Jahresbeginn erwartet. Der Autohersteller BMW hat kürzlich seine Absatzziele für das laufende Jahr gesenkt. Konkurrent Mercedes-Benz wird optimistischer in Bezug auf Umsatz und Gewinn, aber nur dank höherer Preise und einer Verschiebung des Geschäfts hin zu teureren Luxusautos.

Vor diesem Hintergrund erwartet Rheinmetall für 2022 nur ein organisches Umsatzwachstum von etwa 15 Prozent. Dies entspricht dem unteren Ende der bisherigen Zielbandbreite von 15 bis 20 Prozent. Im vergangenen Jahr setzte der Konzern 5,66 Milliarden Euro um.

An der erwarteten Rentabilität hat sich jedoch nichts geändert. Das Unternehmen erwartet weiterhin eine operative Gewinnmarge von mehr als elf Prozent. Das operative Ergebnis sollte daher um 594 Mio. € über dem Vorjahr liegen.

Nach einem Umsatzwachstum von 7 Prozent auf gut 1,4 Milliarden Euro und einem operativen Ergebnis von 7,5 Prozent auf 114 Millionen Euro im zweiten Quartal hatte Rheinmetall nach sechs Monaten Buchung einen Umsatz von 2,7 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von 206 Millionen Euro. Generell dürfte das zweite Halbjahr besser verlaufen als das erste.

Unter dem Strich verdienten die Aktionäre im zweiten Quartal einen Nettogewinn von 57 Millionen Euro, nachdem sie vor einem Jahr 40 Millionen Euro durch einen Wertverlust des zum Verkauf stehenden Kolbengeschäfts verloren hatten.

Der Kurs der Rheinmetall-Aktie ist am Freitag deutlich unter Druck geraten. Größter Verlierer war mit einem Kursverlust von 11,79 Prozent auf 166,85 Euro das Papier im mittelgroßen Aktienindex MDAX. In der Folge fiel der Kurs unter die wichtige Unterstützungsmarke um 180 €, die er seit Mai mehrfach bei Rückschlägen hält. Die Unterstützung ist weg und dürfte potenziellen Wiederherstellungsversuchen in den kommenden Tagen oder Wochen im Wege stehen.

DÜSSELDORF (dpa-AFX)

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