UN-Bericht: Höchststand bei zehn Milliarden? Die Weltbevölkerung wächst immer langsamer

Acht Milliarden Menschen – diese erschütternde Marke der Weltbevölkerung soll nach Angaben der Vereinten Nationen um den 15. November dieses Jahres herum erreicht werden. Allerdings wächst die Zahl der Menschen auf unserem Planeten langsamer, Prognosen zufolge soll sie ab 2080 gar nicht mehr zunehmen – damals 10,4 Milliarden Menschen, schrieben die Vereinten Nationen in einem Bericht zum Weltbevölkerungstag. Am 11. Juli.

Für John Willmouth, Direktor der Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen, liegen gerade für Entwicklungsländer viele Chancen in der globalen Entwicklung – trotz aller regionalen Unterschiede. Das gelte neben Armuts- oder Hungerbekämpfung vor allem für das Thema Bildung: Weniger Kinder steigere das Interesse an jedem Kind, sagte Willmouth der Deutschen Nachrichtenagentur DPA. Die Kehrseite niedriger Geburtenraten ist jedoch, dass die Bevölkerung insgesamt älter wird und ein größerer Anteil ein Alter erreicht, in dem er auf Hilfe angewiesen ist. Zumal auch die Lebenserwartung steigen wird: nach Schätzungen der Vereinten Nationen von 72,8 im Jahr 2019 auf 77,2 im Jahr 2050.

China altert schnell

China: Das Land (das nach wie vor das bevölkerungsreichste Land der Welt ist) steht vor enormen Herausforderungen. Allein im vergangenen Jahr wurden in der Volksrepublik China mehr als zehn Millionen Babys geboren. Die Zahl klingt riesig, ist aber zu niedrig, um die 1,4 Milliarden Einwohner auf Dauer stabil zu halten. China altert schnell, da die Auswirkungen der jahrzehntelangen Ein-Kind-Politik immer deutlicher werden. Die Aufhebung der umstrittenen Beschränkung führte 2016 nur kurzzeitig zu einem leichten Anstieg der Geburten. Doch seither geht die Zahl jedes Jahr weiter zurück.

Experten begründen die geringe Anzahl von Neugeborenen damit, dass Paare, die normalerweise als Einzelkinder aufgewachsen sind, es für normal halten, nur ein Kind zu haben. Auch die steigenden Kosten für Wohnen, Bildung und Gesundheit sowie die nachlassende Heiratslust sind Gründe für die niedrige Geburtenrate. Prognosen zufolge wird die Milliardenzahl der Bevölkerung in wenigen Jahren zu schrumpfen beginnen – und vielleicht sogar früher als lange angenommen.

Verhütung auf dem Vormarsch

Indien: Das südasiatische Land ist offiziell das zweitbevölkerungsreichste Land der Erde, in dem mehr als 1,3 Milliarden Menschen leben – etwa ein Sechstel der Menschheit. Die relativ junge indische Bevölkerung dürfte weiter wachsen und laut einem neuen UN-Bericht 2023 China überholen.

Aber auch die Geburtenrate ist in Indien rückläufig: Nach offiziellen Angaben bringen indische Frauen im Durchschnitt seit einiger Zeit nur noch zwei Kinder in ihrem Leben zur Welt – rund 10 Prozent unter den Vergleichszahlen vor fünf Jahren und weniger als die Zweiergeburtenrate für die Bevölkerungsstabilität erforderlich, 1. Demnach verwenden heute rund zwei Drittel der Paare Verhütungsmittel, während sie vor fünf Jahren nur alle zwei Sekunden zu ihnen kamen.

Da die Bevölkerung noch sehr jung ist, wird sie laut Experten trotz der niedrigen Geburtenrate weiter wachsen. Ende der 1960er-Jahre brachte eine Frau in Indien durchschnittlich fast sechs Kinder zur Welt, viele befürchteten ein massives Bevölkerungswachstum und die daraus resultierenden Probleme unter anderem bei der Nahrungsmittelproduktion.

Afrikanischer Kontinent: Auf absehbare Zeit wird kein Kontinent so wachsen wie das weitgehend unterentwickelte Afrika. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung leben derzeit etwa 1,4 Milliarden Menschen auf dem Kontinent. Und die Zahl wächst: Bis 2050 wird die Bevölkerung auf etwa 2,5 Milliarden anwachsen.

Bis zum Ende des Jahrhunderts werden etwa dreimal so viele Menschen in Afrika leben wie heute, etwa 4,3 Milliarden – etwa 40 Prozent der Weltbevölkerung. Die größten Treiber sind vor allem 10 Länder, aus denen 2050 mehr als die Hälfte aller Neugeborenen kommen werden: Nigeria, Äthiopien, Ägypten, Demokratische Republik Kongo, Tansania, Südafrika, Kenia, Uganda, Algerien und Sudan. Der weltweite Trend zu langsamerem Wachstum wird sich jedoch auch auf Afrika auswirken, wo das Bevölkerungswachstum für das Jahr 2100 auf 0,6 Prozent geschätzt wird.

Vertrauen auf Einwanderung

Gleichzeitig werden immer mehr einkommensstarke Länder – wie Japan schon heute – in eine negative Bevölkerungsentwicklung abgleiten. Um ein stabiles Wachstumstempo zu erreichen, werden Länder wie Deutschland auf Zuwanderung angewiesen sein. In dem Bericht raten die Vereinten Nationen: „Alle Länder, ob sie einen Nettoabfluss von Migranten oder ins Ausland erleben, sollten Schritte unternehmen, um eine geordnete, sichere, geordnete und verantwortungsvolle Migration zu ermöglichen.“

Die Vereinten Nationen blicken in ihren Hochrechnungen auf das Jahr 2100 – nach aktuellen Prognosen ein besonderer Wendepunkt der Weltgeschichte: Danach soll die Gesamtbevölkerung schrumpfen. Laut Willmouth sollten Informationen über die Evolution in 80 Jahren mit Vorsicht behandelt werden. “In den nächsten 30 oder 40 Jahren wissen wir ziemlich genau, was mit der Bevölkerung jedes Landes und weltweit passieren wird. Aber dann fängt man an, zwei oder drei Generationen in die Zukunft zu blicken. In diesem Zeitrahmen gibt es eine Menge Unsicherheit .“

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