Uraufführung der Theatergruppe Vorderes Ötztal Gegenwind: „You Hurt Me“ – ein Theaterstück zum Thema Demenz, das unter die Haut geht

Umfang (alra). Im Sommer 2022 widmete sich Outdoors, eine aufstrebende Schauspieltruppe unter der Leitung und Regie von Lucas Leiter, einmal mehr einem großen Thema mit starker gesellschaftlicher Relevanz. Die beeindruckende Geschichte einer an Demenz erkrankten Frau ist eine gelungene Eigenproduktion des Teams. Die Uraufführung fand im Greit Theater in Umhausen statt – anspruchsvoller Stoff, der vor einem sichtlich beeindruckten Publikum mutig gemeistert wurde.

Lukas Leiter und Tamara Hechenberger stehen als Autoren hinter dem aktuellen Programm. Leiter wollte schon lange das Thema Demenz auf die Bühne bringen und so das Bewusstsein für die Krankheit schärfen. Die ersten inhaltlichen Annäherungen wurden von Fragen begleitet, denen der Regisseur auf den Grund gehen wollte: „Wo sind diese Menschen gedanklich, wenn sie nicht mehr wissen, wo sie sind?“ Prägende Eindrücke, was Demenz für Betroffene, ihr familiäres Umfeld und das Pflegepersonal bedeutet. Gemeinsam mit Tamara Hechenberger entstand ein tiefgründiges und zeitgemäßes Stück in einer innovativen und klaren Präsentation. Unter dem Titel You Hurt Me umschließt Leiter den Inhalt mit einer Aussage, die den Schmerz auf beiden Seiten betrifft – für diejenigen, die vergessen sind, und für alle, die vergessen sind.

im mittleren Alter

Die Handlung basiert auf der wahren Lebensgeschichte einer Brandenburgerin. Im Mittelpunkt steht die pensionierte Lehrerin Maria. Margit Bartel spielt die echte Frau, die plötzlich die Beine verliert – sie verkörpert authentisch jemanden, den jeder kennt – die Nachbarin, Tante oder Kollegin, die im Alltag hinzugezogen werden kann. Eine Frau, deren Leben sich langsam verschlechtert, vom anfänglichen Vergessen der kleinen Dinge bis hin zum Nichterkennen ihrer Familie. Verdrängung, Verzweiflung, Wut, Traurigkeit – eine unendliche Bandbreite an Emotionen begleitet all das Unerklärliche, mit dem sie konfrontiert wird. Beginnend mit dem letzten Lebensabschnitt im Pflegeheim gibt es Rückblenden, die diesen Prozess in seinen wichtigsten und bewegendsten Stationen veranschaulichen.

geschicktes Puppenspiel

Als eindrucksvolles Element stechen die von Margit geführten Dialoge mit einer Handpuppe hervor – die Handpuppe wird von Tamara Heichenberger dirigiert, gespielt, personifiziert und mit Leben und Charakter erfüllt. Die von Lucas Leiter selbst gebaute Puppe besetzt in gewisser Weise die unbekannte Position oder den Ort, an den Erinnerungen wandern – den oberflächlich nicht mehr zugänglichen Stauraum. Für Maria ist sie wie ein Fremdkörper, der sie warnt, sie nicht zu vergessen, und ihr gleichzeitig bequem ermöglicht, ihre verlorenen Gedanken eher von innen als von außen greifbar zu finden. Mit diesem anspruchsvollen Element hat das Autorenduo ein wunderbares und bereicherndes Element ins Spiel gebracht und die Kommunikationsebene erweitert. Für die erfahrene Schauspielerin Tamara Hechenberger ist dies der erste Auftrag in einem sehr schwierigen und anspruchsvollen privaten Bereich der Figurenkunst. Sie hat auch ein enormes Talent dafür – sie koordiniert und kombiniert Sprache und Gameplay hervorragend.

Einstellungen und Emotionen

Unterschiedliche Perspektiven auf den Umgang mit Demenz Maria beschwören Szenen aus dem Familienleben herauf. Ehemann Sepp, dargestellt von Bernard Gestrin, leugnet lange die Wahrheit über den Zustand seiner Frau und steht ihr präventiv und abwehrend gegenüber. Gstrein ist in seiner Darstellung besonders betroffen von den verständlich schmerzhaften Momenten, in denen sich die Demenz vom Vergessen zum Vergessen emotionaler Ereignisse ausbreitet. Manfred Oderer als Sohn Martin – obwohl auf sein Privatleben konzentriert, sich aber dennoch um die Mutter kümmernd – erkennt das Problem sehr früh und versucht immer wieder, die dramatischen Veränderungen bei der Mutter aufzuzeigen. Seine Freundin Claudia, gespielt von Sabrina Cassar, steht ihm bei – beide vermitteln authentisch die schmerzhafte Erkenntnis, dass Maria die Zukunft der Eheleute nicht mehr wahrnehmen kann. Nicht zuletzt bezieht das Stück auch Stellung zur fachlichen und pflegerischen Betreuung, die Menschen mit Demenz benötigen. Die Kommentare der Mitarbeiter des Sozialzentrums Münster in diesem Segment flossen in inspirierender Weise. Hier spielt neben der fachlichen Kompetenz auch der große menschliche Beitrag, den Spezialisten rund um die Uhr leisten müssen.

Verschieben Sie Inhalte mit großer Wirkung

Lukas Leiter wies das Publikum vor der Show gekonnt auf das Thema ein: „Ich will Ihnen heute keine gute Unterhaltung wünschen – sondern sich von der Geschichte mitreißen lassen, die auch kaum an die Schicksale der Umwelt erinnert!“ Offensichtlich war dies mit der ersten Show ein Erfolg. Die Vorderes Ötztaler Gegenwind-Theatertruppe brachte große Emotionen auf die Bühne und ins Publikum und bereitete sie so authentisch auf, dass sich das wirkliche Leben und die Menschen in dem berührenden Stück intensiv widerspiegelten. Als emotional aufgeladener Theaterabend für Publikum und Schauspieler endete Greits Abend gegen 22.30 Uhr mit großem Applaus und dem Prädikat „besonders sehenswert“.

Tipp am Rande: Ziehen Sie sich für 2 Stunden im Freilichttheater warm an! (Informierte Besucher in Daunenjacken wissen das bereits) Eine klare Julinacht bei der Premiere mit fast 11 Grad und leichtem Wind erforderte mehr als nur Sommerkleidung!

Schauspieler:
Manfred Oderer, Sohn von Martin | Bernard Gestrin, Sebs Ehemann | Tamara Heichenberger, Handpuppe | Margit Bartle, Maria | Sabrina Kassar, Claudias Freundin und Ex-Schülerin Sophie

Ich war: “You Hurt Me” – Aufführung der Theatergruppe Vorderes Ötztaler Gegenwind

Wann:
Premiere 8. Juli 2022, weitere Termine: 16., 17., 22., 23., 24., 29., 30. Juli 2022 um 20:20 Uhr

Wo: Freigelände Greit – Umhausen

Kontakt: +43 664327 37 54St. theaterregruppe@gmx.at
www.theatergruppe-vorderesötztal.at

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