Willis Towers Watson Pension Day 2022 kehrt zum ersten Mal zurück | Märkte | 11.07.2022

Der Bericht WTW Pensionskassentag 2022 zeigt: Hochvolatile Märkte, Krieg und hohe Inflation halten Pensionskassen auf Eis. Angesichts des anstehenden Stresstests der EIOPA, ihrer Risikobewertung (ERB) und anderer Vorschriften wird es den EbAV-Unternehmen sicherlich nicht langweilig.

Nicholas Schmidt Naryshkin, Director of Advisory Services bei Willis Towers Watson, begrüßt die Teilnehmer.

©Anke Dembowski

Erstmals seit der Corona-Krise findet am 30. Juni der Willis Towers Watson (WTW) Retirement Fund Day 2022 statt. Nach der Begrüßung durch General Manager Nicholas Schmidt Naryshkin moderierte Volker Muserse, Head of Vehicle Finance, die WTW-Veranstaltung in Frankfurt.

Gemischte Gefühle zwischen den teilnehmenden Pensionskassen
Die Teilnahmebefragung unter den Teilnehmern spiegelt die Stimmung der Vertreter der Pensionskasse wider.
Die erste Frage: Wie schätzen Sie die Entwicklung der Zinsen ein?
Die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass die Zinsen deutlich steigen werden. Knapp 10 Prozent sind unsicher, der Rest geht von einer Stabilisierung der Zinsen auf dem aktuellen Niveau aus.
Frage 2: Ist Ihr aktueller Handlungsspielraum groß genug für ein Hochinflationsszenario?
Etwa die Hälfte der Befragten glaubt, dass ihre Pensionskasse über genügend Instrumente verfügt, um auf eine hohe Inflation reagieren zu können. Knapp 30 Prozent meinen, Inflation sei für ihre Pensionskasse irrelevant, und gut ein Fünftel meint, ihre Pensionskasse habe zu wenig Spielraum, um die Einrichtung auf ein Szenario mit hoher Inflation einstellen zu können.
Frage 3: Benötige ich für EbaV ein separates VAG?
Rund drei Viertel der Befragten bejahten diese Frage und stellten fest, dass die Besonderheiten der betrieblichen Altersversorgung eine gesonderte Rechtsgrundlage rechtfertigen. Nur ein Viertel findet, dass die aktuelle VAG perfekt passt.

Verwendet Pensionskassen der privaten Risikobewertung (ERB).
Weiter ging es mit organisatorischen Neuerungen. Gunter Weisenfels, Leiter Kernbereich EbAV bei der BaFin, sprach über aktuelle Entwicklungen bei Pensionskassen aus Sicht der Aufsichtsbehörde. Worum es bei den Krankenkassen derzeit geht, ist ihre eigene Risikoeinschätzung (ERB), die teilweise einem ORSA (Assessment of Private Risk and Solvency) für Versicherer entspricht: Pensionskassen müssen sich mit ihren eigenen Risiken auseinandersetzen, sie benennen und bewerten . Es ist ein Energy Efficiency Rate (EER) Report zu erstellen, der ebenfalls bei der BaFin einzureichen ist. Weißenfels erklärte, dass der Betreuer Wert auf die Akzeptanz des ERB durch die Fachabteilung lege. Die identifizierten Risiken müssen angemessen gemanagt und in Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

BaFin-Optimierungshinweise für die Industrie
Die erste Meldewelle, in der rund die Hälfte der EbAV in Deutschland ihre ERB-Meldung an die BaFin übermittelt hat, wurde nun von der Aufsichtsbehörde ausgewertet. In fast allen Fällen hat die BaFin Verbesserungsvorschläge gemacht. Weißenfels warnt: „Wir wollen, dass hier eine Evolution stattfindet, damit die Berichte während der Startphase immer besser werden.“

EIOPA EbAV-Stresstest
Nachdem im Jahr 2019 zuletzt EIOPA-Stresstests für EbAV stattfanden, ist 2022 ein weiteres Jahr für Stresstests. Während es 2019 vor allem um Asset and Liability (ALM)-Konzepte ging, ist dieses Jahr ein Klimastresstest mit insgesamt 21 teilnehmenden EbAV. Die Teilnehmer wurden Anfang des Jahres informiert. Die von den EbAV vorgelegten Ergebnisse werden derzeit ausgewertet.

Kosteninventar
Weißenfels stimmte mit den Teilnehmern auch darin überein, dass die BaFin in Deutschland erstmals eine bundesweite Bestandsaufnahme der Kosten und Gebühren von EbAV durchführen wird. Bisher gibt es außer in einigen EU-Ländern wie den Niederlanden und Italien keine regelmäßigen Berichte über die Kosten. Es erscheint jedoch sinnvoll, mit Beginn dieser Erhebung abzuwarten, bis die Fondsindustrie die PRIIPS-Verordnung umsetzt und den EbAV die entsprechenden Zahlen zur Verfügung stellen kann. Grundlage ist die Stellungnahme der EIOPA zu „Kosten und Gebühren“, die zwar keinen juristischen Charakter hat, aber aufzeigt, wohin der Flug gehen soll. Besonders herausfordernd dürfte die Ermittlung aller Kapitalanlagekosten und aller Transaktionskosten sein.

Werberecht
Es wird auch weiterhin die VAG-Meldung von Zufallsbefunden regeln. „In diesem Jahr wird es noch etwas anderes geben“, kündigte Weißenfels an. Eine regelmäßigere Protokollierung soll unter anderem sicherstellen, dass die BaFin im Falle eines IT-Vorfalls schnell Kontakt zu den betroffenen (Sub-)Dienstleistern aufnehmen kann.

hohe Zinsen
Es bleibt abzuwarten, wie EbAV-Unternehmen mit den gestiegenen Zinsen umgehen werden. Weißenfels merkte an, dass die Hälfte der 30 Milliarden Euro an stillen Reserven, die sie aufgebaut haben, in den vergangenen Monaten bereits verschwunden sei. Allerdings akzeptiert die BaFin zinsbedingte Fehlbeträge des Treuhandvermögens zum beizulegenden Zeitwert, wenn die Unternehmen in der Lage und bereit sind, die Wertpapiere bis zur Fälligkeit zu halten. Kürzungen allein aufgrund höherer Zinsen sind nach Kenntnis der Aufsichtsbehörde nicht erforderlich. „Aber diese Frage müssen Unternehmen mit ihren Wirtschaftsprüfern klären“, sagt Weißenfels. Aufgrund der bisherigen Entwicklung des Kapitalmarktes im Jahr 2022 ist davon auszugehen, dass einige Szenarien aus dem Stresstest 2021 bereits eingetreten sind. Geht die Entwicklung weiter, könnte es Ende 2022 zu einem BaFin-Stresstest auf die ohnehin schon gestresste Bilanz kommen. Die Zahl der Unternehmen, die mit Stresstest-Schwierigkeiten konfrontiert werden, könnte zunehmen. „Natürlich ist das Bestehen eines Stresstests und damit eine ausreichende Risikobereitschaft sehr wichtig“, erklärte Weißenfels. Probleme beim Stresstest bedeuten jedoch kein sofortiges Handeln der BaFin. Mit dem Unternehmen wird die Situation analysiert und das weitere Vorgehen abgestimmt.

kleine Altersvorsorge
„Für kleinere Pensionskassen dürfte es schwierig werden, den in den letzten Jahren gestiegenen Anforderungen nicht nur an den Kapitalmärkten gerecht zu werden“, sagt Weißenfels. Der Aufseher verwies auf den Konsolidierungsprozess in Deutschland, der bereits mit der Auflösung einiger Pensionskassen und entsprechenden Bestandsübertragungen stattfinde. Noch in diesem Jahr werden voraussichtlich fünf weitere Pensionskassen aufgelöst. Weißenfels empfiehlt Unternehmen „Wenn diese Situation auch in Ihrer Kasse auftritt, sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten oder mir.“ Die BaFin überwacht Abwicklungsvorhaben genau und stellt auch Kontakte zu anderen aufnahmewilligen Pensionskassen her. „Bei dem derzeitigen Zinsniveau ist es unvermeidlich, dass negative Ankaufszinsen für das Portfolio essentiell bleiben“, sagte Weißenfels zur Lagebeurteilung.

Holland: Richtung Hauptstadt
Im Anschluss an den regulatorischen Ausblick präsentierte Wichert Hoekert, WTW-Rentenexperte in den Niederlanden, einen Bericht über die anstehende Rentenreform in den Niederlanden. Obwohl das niederländische Rentensystem sehr ausgereift ist, wird es hier in den nächsten Jahren einen gewaltigen Transformationsprozess geben. Es führt den Wandel weg vom aktuellen Datenbanksystem mit Garantien hin zu einem reinen DC-System, das auch in bestehende Verträge eingreift.

Der Systemwandel soll den Interessen aller Mitglieder zugute kommen und insbesondere für mehr Generationengerechtigkeit sorgen. „Der Transformationsprozess wird komplex, aber wir hoffen, dass das neue System insgesamt weniger komplex, flexibler und transparenter wird“, sagt Hoekert. Der niederländische Gesetzgeber diskutiert derzeit mit allen Beteiligten, einschließlich der Gewerkschaften, die genaue Ausgestaltung der Übergangs- und Übergangsregelungen.

Angesichts des anstehenden Systemwechsels findet derzeit auch in den Niederlanden eine Konsolidierung der Pensionskassen statt, da insbesondere kleinere Kassen den Systemwechsel nicht mehr aktiv mitgestalten wollen. Mit der “Allgemeinen Pensionskasse” sind Senior Integratoren in den Niederlanden bereit.

Diskutieren Sie einige praktische Beispiele
Ausgehend von dieser Sicht auf das Nachbarland haben einige Pensionskassen auf der Veranstaltung über Beispiele ihrer Praxis berichtet. Sabine Mahnert, Head of Capital Investments beim Anglican Supplemental Retirement Fund, lieferte ein praktisches Beispiel für den Einsatz von Wertsicherungskonzepten. Kamel Sander, Head of Risk Management bei SOKA-Bau, berichtete über das Zusammenspiel von Risk Management und Asset Liability Management in der Kasse.

Anschließend sprach Dr. Renee Zimmerman, Director of Retirement bei WTW, mit den Teilnehmern über ihre Erfahrungen mit ihrer Gefährdungsbeurteilung. Nach einer kurzen Zusammenfassung der Ergebnisse verabschiedete sich Volker Mosers von den Teilnehmern. (Anzeige)

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